Atomwaffen und Krieg „Der Mensch wär‘ gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, die sind nicht so.“ (Berthold Brecht)

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Wer über Atomwaffen und Krieg spricht, sollte sich stets bewusst sein, damit über sehr ernste Politik zu sprechen. Über Leben und Tod. In einem Atomkrieg geht es nur um diese beiden Alternativen – ein Mittelding gibt es nicht. Da sollte „man“ doch erwarten, dass die, die sich dazu äußern, auch über die Folgen ihres Denkens und Handelns VORHER nachdenken.

Genau dieses Nachdenken erfordert neben Kenntnis des Themas vor allem den Verzicht auf moralische Dogmen. Niemand will Krieg. Weil er selbst darin umkommen kann und seine ganze Familie und seine Freunde und, und, und. So ziemlich jeder will aber auch sich und seine Familie im Fall des Falles verteidigen können. Wo soll bereits bei dieser Frage die moralische Grenze gezogen werden?

Atomwaffen haben von Anfang an nicht nur große und kleine oder starke und schwache Staaten, wenn sie diese Atomwaffen besitzen, ziemlich gleichgemacht. Sie haben aber auch erstmals in der Geschichte diejenigen, die bis dahin „ihre“ Soldaten in den Krieg schickten und selbst in sicherer Entfernung vom Tod blieben, gleichgemacht. Die Kriegsherren sind seitdem selbst erstrangiges Ziel und sichere Beute ihrer Gegner. Das schreckt ab oder zügelt Kriegsgelüste. Diese neue Lage kann man mögen oder nicht; sie hat aber seit 1949 als die 1. Sowjetische Atombombe detonierte und die Gleichheit der Waffen wieder herstellte, den sogenannten großen Krieg verhindert. Zwischen Indien und Pakistan ist das auch so, seit sie sich gegenseitig auslöschen können und Israel hat mehr als einmal nur durch seinen „ultimativen“ Schutz überlebt. Der Besitz von Atomwaffen lässt nicht nur Feinde vor einem Angriff zögern; er zügelt auch die Feinde selbst. 

Wer sich allerdings nicht durch diese alles vernichtende Waffen schützen konnte, wurde in den vergangenen Jahrzehnten wieder und wieder mit Kriegen überzogen. Dagegen haben weder Koalitionsverträge noch solche zur Nichtweiterverbreitung geholfen. 

Krieg ist aber noch nie einfach so passiert. Kriege wurden von Herrschern aller Art begonnen, um politische Ziele mit gewaltsamen Mitteln zu erzwingen. Waffen selbst sind nur totes Material. Eine Atombombe ist ein Haufen Metall, ein Teil davon radioaktiv, einige Computer und einige Schalter. Soldaten ziehen auch nicht so einfach los, um andere zu töten und selbst getötet zu werden. Diese ganze Maschinerie wurde und wird seit es Staaten und Armeen gibt immer von „den Herrschenden“ in Gang gesetzt. Es ging immer um Politik.

Wer Atomwaffen verbieten will, sollte wenigstens über die Folgen seines Tuns nachdenken. Dann müssen alle Waffen verboten werden und alle Armeen. Denn die Hauptfolge einer Welt ohne Atomwaffen wäre eine Welt voller konventioneller Kriege. Dann auch wieder zwischen den Großen dieser Welt. Das kann niemand wollen. Ein konventioneller oder exakter, nichtnuklearer Krieg, der auch Mitteleuropa erfasst, wäre genauso verheerend wie ein Atomkrieg. Das trifft auch auf die Millionenstädte in China, Indien oder Russland zu. Oder wo auch immer. 

Ein „konventioneller“ Krieg wäre dann auch kein besonders strenger Lockdown. Es wäre eine Welt ohne Strom, Wasser, Gas, Benzin und Geld. Eine Welt ohne Krankenhäuser und ausreichend Medikamente und weitgehend ohne Lebensmittel. Und alle Überlebenden wäre nur damit beschäftigt, selbst am Leben zu bleiben; eine Welt in der jeder gegen jeden kämpft. 

Das Prinzip der atomaren Abschreckung mag man mögen oder nicht. Es hat, um das zu wiederholen, in weiten Teilen der Welt Kriege verhindert. Im „Rest“ der Welt leiden die Völker wie eh und je. Man wird nicht moralischer, wenn man verlangt, dass auch der Teil der Welt, der bisher Atomwaffen besitzt oder mit Besitzern verbündet ist, nun ebenfalls unter Kriegen leidet. Nein, das ist im Gegenteil unmoralisch.

Natürlich ist diese Ansicht gegen den Strich gängiger Ideologie gebürstet. Sie ist auch nicht geeignet, sich besser als andere Leute zu fühlen. Es macht dennoch keinen Sinn, sich in eine ideale Traumwelt zu denken, die zudem nicht zu Ende gedacht ist.

Deshalb macht auch der in letzter Zeit viel gepriesene Vertrag zum Verbot von Atomwaffen wenig Sinn. Er wäre gut, wäre er ein Vertrag zum Verbot von Kriegen jeglicher Art. Das ist er aber nicht und so bleibt er nur ein frommer Aufruf. Zudem ist er so abgefasst, dass er selbst Mindeststandards zu seiner Kontrolle und Durchsetzung nicht gerecht wird. Er würde in der Praxis nur zu endlosen und letztlich gefährlichen Streitereien führen. Nein, mit Mitteln gefühlter Supermoral erreicht man heutzutage das Gegenteil des angeblich Gewollten. Dieser Vertrag mag gut gemeint sein, ist aber nicht gut gemacht. 

Wer wirklich Kriege verhindern will, sollte sich all denen anschließen, die immer wieder fordern, dass sich die Regierungen dieser Welt an die vereinbarten Völkerrechtsprinzipien der UNO-Charta oder der KSZE-Schlussakte halten. In beiden Dokumenten, die von den höchsten politischen Repräsentanten ihrer Staaten unterzeichnet sind, stehen die souveräne Gleichheit aller Staaten und das Verbot der Anwendung und Androhung von Gewalt an 1. Stelle. Sich daran tatsächlich zu halten und nicht nur darüber zu reden, ist echte Friedenspolitik.

Lutz Vogt

31.01.21

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